Vortrag: Bürokraten der Vernichtung – Die Judenreferenten der Gestapo Bielefeld


Ort und Datum der Veranstaltung: 

23.11.2017, 19:00 Uhr / Stadthalle Detmold

Der Vortrag:
Die Gestapo gilt als das wesentliche Instrument des NS-Terrorapparates und der NS-Judenpolitik in Deutschland. Das Zuständigkeitsgebiet der Gestapostelle Bielefeld umfasste den Regierungsbezirk Münster und die Länder Lippe und Schaumburg-Lippe. Seit 1935 waren sogenannte Judenreferenten in den Gestapostellen für die Erfassung, die Kontrolle der jüdischen Bevölkerung und die Umsetzung der repressiven Gesetzgebung und letztlich auch für die Deportationen zuständig.
Obwohl die Akten der Bielefelder Gestapo bei Kriegsende vernichtet wurden, lassen sich aus Gerichtsverfahren, staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und aufgezeichneten Zeugenaussagen der Nachkriegszeit Einblicke in Biographien und Tätigkeit der Bielefelder Judenreferenten Wilhelm Pützer und später Hermann Peters gewinnen.
Dabei werden auch Fragen nach Handlungsspielräumen beispielsweise bei der Einweisung in ein Konzentrationslager oder in der Zusammenstellung der Deportationslisten, nach persönlichen Einstellungen, nach weiteren Verstrickungen in nationalsozialistische Terror- und Vernichtungsmaßnahmen und nach dem weiteren Werdegang beleuchtet. Dargestellt werden auch der Versuch der juristischen Aufarbeitung sowie die tragische Rolle der Verbindungspersonen der jüdischen Gemeinden bzw. der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) im erzwungenen Zusammenspiel mit der Gestapostelle Bielefeld. Im Vortrag wird den Verhältnissen in Lippe besonderes Gewicht beigemessen.

Der Referent:
Jürgen Hartmann wurde in Oerlinghausen geboren und studierte Geschichte und Sozialwissenschaften in Bielefeld. Er veröffentlichte zu regionalgeschichtlichen Themen, vor allem zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Lippe und ist seit 2005 Mitherausgeber und Autor der Internet-Zeitschrift »Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte«. Eine seiner jüngsten Veröffentlichungen ist das »Erinnerungsbuch für die Opfer des Nationalsozialismus aus Oerlinghausen« (2017). Außerdem war Jürgen Hartmann über mehrere Jahre als Journalist (Radio/TV) tätig.

 

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